Institut für Festkörperphysik,
	Abteilung Nanostrukturen

Nanolithographie mit dem Rasterkraftmikroskop

Ziel unserer Abteilung ist die Charakterisierung von elektronischen Systemen bei tiefen Temperaturen und hohen Magnetfeldern. Für uns interessante Strukturen sind vor allem Bauelemente, bei denen die Bewegung der Elektronen in weniger als drei Dimensionen frei ist. Die Herstellung solcher null- oder eindimensionaler Strukturen erfordert den Einsatz einer leistungsfähigen Technologie. Die Nanolithographie mit dem Rasterkraftmikroskop (AFM = Atomic Force Microscope) ist hierbei eine flexible und einfache Alternative zur herkömmlichen Elektronenstrahllithographie. Die Vorteile des AFMs liegen im einfachen Aufbau des Geräts und der Möglichkeit, die elektronischen Veränderungen während der Strukturierung direkt zu messen und zu steuern. Wir verwenden in unserer Arbeitgruppe im Wesentlichen zwei Verfahren zur Nanostrukturierung mit dem AFM: die mechanische Strukturierung und die lokale Oxidation.

Mechanische Strukturierung oder Nanogravur

Mechanische Strukturierung
Schema der mechanischen Strukturierung einer Heterostruktur

Für die Nanogravur einer Oberflächen wird die Andruckkraft der AFM-Spitze (in unserem Fall bestehend aus einkristallinem Silizium) auf mehrere Mikronewton erhöht, was einem Druck an der Spitze von mehreren Gigapascal entspricht. Unter diesem hohen Druck können Atome aus dem Material entfernt werden, bei Bewegung der Spitze über die Oberfläche entsteht so ein Graben. Auf diesem Weg ist es möglich, Gräben mit Breiten von unter 50 nm und Tiefen von bis zu 15 nm herzustellen.

Wir strukturieren vor allem GaAs-AlGaAs Heterostrukturen, weil sich die Elektronen in diesen Strukturen bei tiefen Temperaturen (< 77 K) nur in zwei Dimensionen frei bewegen können. In diesen liegt dann ein quasi-zweidimensionales Elektronengas (2DEG) vor.

Die mechanische Bearbeitung der Oberfläche solcher Heterostrukturen ermöglicht die Beeinflussung der Bandstruktur des Materials. So können Tunnelbarrieren unterschiedlicher Höhe und Breite gezielt hergestellt werden. Zur Kontrolle messen wir während der Strukturierung den Widerstand zwischen den Kontakten, die wir voneinander durch eine Tunnelbarriere trennen wollen. Bei Erreichen des Abbruchwiderstands wird die Gravur automatisch abgebrochen [1]. Wir konnten zeigen, daß die Höhe der Tunnelbarrieren bei tiefen Temperaturen direkt mit dem Raumtemperaturwiderstand zusammenhängt.

Schema der kontrollierten Strukturierung
Schematische Darstellung der Strukturierung

Durch die Kombination von tiefen und flachen Gräben können z.B. Feldeffekttransistoren und Einzelelektronentransistoren hergestellt werden. Dabei werden die Steuerelektroden durch tiefe, breite Gräben definiert und die Tunnelbarrieren durch schmale, flache. Unten ist in drei Bildern die Abfolge der Herstellung dargestellt.

Herstellung Einzelelektronentransistor
Herstellung eines Einzelelektronentransistors: (a) Feldeffekttransistor mit zwei Steuerelektroden (b) erste Tunnelbarriere (c) zweite Tunnelbarriere definiert den Quantenpunkt (QP)

Lokale Oxidation von Oberflächen

Schema der lokalen Oxidation
Schema der lokalen Oxidation

Eine weitere Möglichkeit der Strukturierung von Oberflächen ist die lokale Oxidation. Bei dieser Technik nutzt man den Wasserfilm, der auf fast allen Oberflächen bei normaler Luftfeuchtigkeit adsorbiert ist. Durch eine hohe negative Spannung an der leitfähigen AFM-Spitze können negative Sauerstoff-Ionen in die Oberfläche diffundieren; durch die Reaktion entsteht dann ein Oxid. Auf Grund der kleineren Dichte des Oxids entsteht eine Erhebung, die auch gleich mit dem AFM nachgewiesen werden kann. Mit dieser Technik ist es möglich, Linien mit Breiten von weniger als 40 nm zu schreiben.

Oxidlinien auf Silizium
Oxidlinien auf Silizium

Wie mit der Nanogravur können so vor allem definiert schmale Tunnelbarrieren in Heterostrukturen erzeugt werden. Auch diese Tunnelbarrieren eignen sich wieder für die Herstellung eines Einzelelektronentransistors [2,4]. Wir messen während der Oxidation den Strom und die Spannung zwischen der AFM-Spitze und der Oberfläche. Über den Oxidationsstrom kann man die elektronische Höhe der Tunnelbarriere zwischen einigen wenigen meV und mehr als 100 meV durchstimmen, der Zusammenhang zwischen Höhe der Tunnelbarriere und dem Strom ist dabei linear. Dies ist insbesondere für die Herstellung asymmetrischer Bauteile mit definiertem Verhältnis der Tunnelbarrieren interessant.

Ausblick

In der nächsten Zeit sollen Bauteile mit komplizierteren Geometrien hergestellt und charakterisiert werden. Dazu gehört etwa die Koppelung von zwei Einzelelektronentransistoren oder die Verwendung von runden Quantenpunkten.

Literatur

  1. H. W. Schumacher, U. F. Keyser, U. Zeitler, R. J. Haug, K. Eberl: Nanomachining of mesoscopic electronic devices using an atomic force microscope, Appl. Phys. Lett. 75 (8), 1107-1109 (1999)
    [Abstract] [PDF]
  2. U. F. Keyser, H. W. Schumacher, U. Zeitler, R. J. Haug, K. Eberl: Fabrication of a single-electron transistor by current-controlled local oxidation, Appl. Phys. Lett. 76 (4), 457-459 (2000)
    [Abstract] [PDF]
  3. H. W. Schumacher: Nanostrukturierung mit dem Rasterkraftmikroskop: Vom zweidimensionalen Elektronengas zum Einzelelektronentransistor, Dissertation, Logos-Verlag, Berlin (2000)
    [Abstract]
  4. U. F. Keyser: Herstellung und Charakterisierung von Halbleiter-Nanostrukturen mit einem Rasterkraftmikroskop, Diplomarbeit, Hannover (1999)
    [Überblick]
  5. Alles geritzt, Physikalische Blätter 10/99, Seite 14

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